| Erinnerungen |
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Hier möchte ich Geschichten aufzeichnen, die mir in Erinnerung geblieben sind oder die mir von Eltern, Großeltern und Verwandten erzählt wurden. Sie sollen dazu beitragen, den nachfolgenden Generationen ein wenig die Familie, deren Gepflogenheiten, das Zeitgeschehen und liebenswerte Erlebnisse zu behalten. Mein Großvater, Johann Ludwig Keller (er ist der 12-jährige Knabe zwischen den Eltern auf dem Silberhochzeits-Foto) war ein wunderbarer Opa und phantasievoller Märchenerzähler. Einen "Zungenbrecher" brachte er allen "Keller-Kindern" (Kindern, Enkeln und Urenkeln) bei: Es war einmal eine Frau, die hatte 3 Töchter, die Erste hieß: Binka die Zweite hieß: Bibliabinka und die Dritte hieß: Zicknicknacknobliabibliabinka. Es war einmal ein Mann, der hatte 3 Söhne, der Erste hieß: Schack der Zweite hieß: Schackschaberack der Dritte hieß: Schackschaberackschackschebene. Die Binka heiratet den Schack die Bibliabinka den Schackschaberack und die Zicknicknacknobliabibliabinka den Schackschaberackschackschebene. Die Eltern meines Vaters (Oma und Opa Keller) und die Mutter meiner Mutter (Oma Wehner), sie war schon Witwe, lebten mit in unseren Haus. An den Wochenenden und Feiertagen kamen die Geschwister meines Vaters mit Ihrer Familie auch in's Elternhaus, denn wir waren noch eine richtige Groß-Familie. Mit unseren Cousinen, meine Brüder waren die einzigen Buben, spielten wir dann draußen oder im ganzen Haus. Es war eine sehr familiär-verbundene Zeit. Morgens früh schlichen mein Bruder Peter und ich uns zu Opa ins Bett und er erzählte uns spannende Abenteuer von 2 Lausbuben "Knibbel & Knabbel", die wir ihm als wahre Geschichten abnahmen. Mehr als einmal sind wir in den Wald gelaufen, um diese Buben, die dann an einem Baum gefesselt sein sollten, zu suchen. Wir wohnten in Wipperfürth "auf dem Berg" der hieß "Düsterohl" und wir mussten zur Stadt in den Kindergarten. Unser Opa war Leiter des Arbeitsamtes in Wipperfürth und sein Dienst begann um 8:00 Uhr, so dass er uns und die Kinder "vom Berg" zu Fuß einsammelte und in den Kindergarten brachte. Auf diesem Weg erzählte er uns Kindern dann weitere Abenteuer, die immer ihren Höhepunkt erreichten, wenn wir am Kindergarten angelangt waren. So fieberten wir den Fortsetzungen auf dem Heimweg entgegen, die Geschichten fanden nie ein Ende, immer ging es spannend weiter. Er hatte ein unerschöpfliches Repertoire an Abenteuern. An Ostern ging er mit meinem Bruder und mir zum Eiersuchen. Wir fanden unzählige bunte Eier, die wir ihm brav ablieferten, er steckte sie in die Hosentaschen. Als wir dann daheim ankamen und unseren "Fund" begutachten wollten waren immer "nur" 5 Eier da. Er hatte sie angeblich alle wieder verloren.... Er hatte nur 5 Eier mitgenommen und immer wieder versteckt. Manchmal brachten wir auch 1 oder 2 mehr mit, die hatte dann andere Suchende nicht gefunden. Das freute ihn dann sehr. Meine Oma Wehner (Mutter's Mutter) nahm mich in den Ferien mit auf Reisen... Da wir einen Geschäftshaushalt hatten, meine Eltern arbeiteten beide in unserem Lebensmittel-Laden, betreute uns (meinen Bruder und mich), außer den Großeltern Keller auch die Oma Wehner. Sie war gebürtig aus Unterfranken und fuhr im Sommer mehrere Wochen zu ihren anderen Kindern und Geschwistern oder in das Haus meines Onkels in Bad Kissingen, in dem sie Wohnrecht nach dem Tod meines Opa's Sylvester hatte. Eine ihrer Schwestern lebte in Burglauer in einem Bahnwärter-Häuschen, mit einem Zieh-Brunnen, drehbaren Schranken und einem Plumps-Klo, in dem an einem großen Nagel an der Wand, Zeitungsstücke zum Abputzen hingen. So viele Fliegen, wie dort im Sommer, hatte ich noch nie gesehen. Überall hingen lange, gelbe, klebrige Streifen von der Decke, an denen es nur so wimmelte. Sie hatten Hühner, Kaninchen und einen recht bissigen Schäferhund namens "Treff", um den ich einen respektvollen Bogen machte. Im Sommer, vor meinem Schulbeginn, brachte mir dort Oma's Schwager, Ludwig Schmidt, auf seinem alten Herrenrad, das Fahrradfahren bei. Ich mußte ein Bein unter der Stange hindurch stecken und mich dabei etwas schräg halten. Alle Hühner auf der Dorfstrasse nahmen Reißaus. Im gleichen Jahr habe ich zum ersten Mal in Münnerstadt das Festspiel gesehen. Es handelt vom 30-jährigen Krieg, in dem die Mutter Gottes, Münnerstadt vor den Kanonenkugeln der Feinde bewahrt hatte und die Stadt ihre Ernte, vor einer Hungersnot, retten konnte. Oma's Bruder, Richard Reiche, spielte ebenfalls mit. Noch heute klingt mir ein Lied in den Ohren, das ich damals dort gehört hatte. "Heißa, juchheißa, halli, hallo trara, der Sommer ist vergangen, das Erntefest ist da......." Weitere Geschichten werden folgen...... |